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Philipp Hartinger

Im Oktober 2019 drehte der deutsche Filmstudent Philipp Hartinger mit seinem Team einen Kurzfilm in den Wäldern Bayerns. Wir halfen ihnen mit etwas Ausrüstung und sprachen mit ihm über dieses Kunstwerk.

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Bitte erzählen Sie uns etwas über Ihr Projekt und Ihr Team.

 

Im Rahmen unseres Filmstudiums haben wir einen Kurzfilm produziert. Es war das größte Projekt dieser Art, das wir bisher in Angriff genommen hatten, und eines der ersten Projekte, bei dem ich sowohl Regie führte als auch das Drehbuch geschrieben habe. Wir sind vier Bachelorstudenten der Technischen Hochschule Deggendorf. Lina Schmidt ist die Produzentin, Maxi Gold ist Schnitt und Kolorist, Manuel Emrich ist Tonmeister und Mischer und ich bin Autor und Regisseur. Wir haben es geschafft, das Projekt mit neun Freiwilligen und einer Reihe von Unterstützern auf den Weg zu bringen. Unser Kameramann Adrian Huber kam aus Stuttgart. Die Kameraassistenten kamen aus Hamburg, der Rest aus Deggendorf und Umgebung.  

 

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Es ist ein Mystery-Film, der von der griechischen Mythologie und Aufzeichnungen von Nahtoderfahrungen inspiriert ist.  

Die Logzeile war:

Hannah wird von einer Radiostimme geweckt und findet sich auf einer Insel in einem Fluss wieder. Noch weiß sie nicht, dass ihr Leben von dem mysteriösen Fährmann abhängt, der sie nur gegen eine Goldmünze über den Fluss tragen wird.  

Woher kam die Idee?

 

Ein ziemlich seltsamer Gedankengang führte dazu.  

Mein Ausgangspunkt war die Idee, eine Erzählung in umgekehrter Reihenfolge zu erzählen, obwohl die Szenen selbst linear ablaufen. Es ist ein ähnlich anachronistischer Ansatz wie der von Christopher Nolan in seinem Film Memento.  

Die erste Version der Idee bestand darin, dass ein Wilderer ein totes Tier auf eine Waldlichtung trug, es mit seinem Gewehr erschoss und das Tier dann lebend aus dem Wald rannte.  

Inspiriert vom Mythos des Fährmanns Charon, der gegen einen Obelus die Seelen der Toten über den Unterweltfluss Styx trägt, entwickelte sich die Idee dann weiter.

Während des Entwicklungsprozesses tauchten einige Probleme auf.

Wie gelangt man zum Fluss Styx? Ist man schon tot oder nur bewusstlos? Wenn man bewusstlos ist, kann man Geräusche aus der realen Welt hören? Was passiert, wenn man in dieser Parallelwelt stirbt?

 

Der Kern der Geschichte wurde dann, dass unsere Protagonistin bewusstlos ist, aber entschlossen ist, der unglücklichen Situation zu entkommen, ermutigt durch das, was jemand ihr nahe steht. Sie trifft auf den Fährmann Charon, der sich weigert, sie über den Fluss zu bringen, weil sie den Obelus nicht bezahlen kann. Sie versucht, eine Goldmünze oder eine andere Fluchtmöglichkeit zu finden, scheitert aber. Charon erschießt sie schließlich. Dadurch kommt sie wieder zu Bewusstsein und stirbt nicht, weil sie sich dem Fährmann widersetzt hat und deshalb nicht in die Welt der Toten getragen wurde. 

Was sind die Schlüsselelemente, die den Stil des Films bestimmen?

 

Wir haben darauf geachtet, dass wir gleich in der ersten Szene eine dunkle, düstere Atmosphäre schaffen. Wir haben auch kleine Informationshäppchen im Film platziert, die nur dann Sinn machen, wenn die Geschichte am Ende aufgelöst wird. Es gibt immer wieder Momente, in denen Dinge aus der realen Welt Hannah erreichen und das Gefühl verstärken, dass etwas nicht ganz stimmt.  

Während des Bearbeitungsprozesses haben wir uns entschieden, harte Schnitte auf einem schwarzen Bildschirm zu verwenden, um einzelne Erzählungen und Orte zu trennen und Vignetten einer Traumwelt zu erstellen.  

Mit welchen Herausforderungen waren Sie vor und während der Produktion konfrontiert?

 

Fazit: Finanzierung.  

Wir mussten das Team der Freiwilligen, ihren Transport, ihre Unterkunft und ihre Verpflegung organisieren. Dann war da noch die Ausrüstung, bei der Sie uns freundlicherweise geholfen haben. Wir hatten sechs verschiedene Ausrüstungsverleiher, die alle dazu beitrugen und es uns ermöglichten, mit einem Alexa Plus 4:3 und Atlas Orion-Objektiven zu filmen. Ich muss zugeben, dass ich überrascht war, zu was wir alles dank des guten Willens unserer Unterstützer Zugang erhielten.  

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Die Suche nach Schauspielern war ein Problem, da alle Schauspielschulen in den Ferien waren. Viele unserer Anfragen wurden erst nach Abschluss der Dreharbeiten beantwortet. Außerdem hatten wir nur ein kleines Portfolio, was es schwieriger machte, Schauspieler von einer Teilnahme zu überzeugen. Wir hatten einen kleinen Pool zur Auswahl, hatten aber das Glück, zwei großartige Schauspieler zu finden.  

Ihr Set war in einem Wald und Sie waren mit schwierigen Wetterbedingungen konfrontiert. Wie war es, in der Natur und im Regen zu filmen?

 

Eigentlich war das Wetter für unsere Zwecke ziemlich ideal. Es war die meiste Zeit bewölkt, sodass wir uns keine Gedanken über die Kontinuität der Beleuchtung machen mussten. Der ein oder andere Sonnenstrahl wäre vielleicht willkommen gewesen, aber man kann nicht alles haben. Wir hatten zwei Regentage, waren aber zum Glück recht gut vorbereitet, denn eigentlich hatten wir im Oktober mit mehr Regen gerechnet. Nach fünf Drehtagen hatte ich den Wald und die Natur im Allgemeinen satt. Wir werden den nächsten Film drinnen drehen - hoffe ich. 

Abschließend möchten wir noch wissen: Was hat Sie zum Filmemachen gereizt?

 

Ein Reiz liegt sicherlich darin, dass man alleine nicht viel schaffen kann. Jeder Film braucht ein Team, das das Projekt unterstützt. Jeder fungiert als kleines Rädchen in einer Maschine, die schließlich das Erlebnis auf der großen Leinwand erzeugt. Ein weiterer toller Aspekt ist, dass die Arbeit sehr abwechslungsreich ist und gleichzeitig mein Beruf und mein Hobby ist. Selbst die irritierendsten, langweiligsten oder schwierigsten Aufgaben erscheinen halb so schlimm, wenn man weiß, dass das Endergebnis ein Film sein wird. 

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